Wir müssen reden.

Herr Peymann hat sich bislang nicht getraut. Das macht nichts! Ehrlich gesagt: Ich habe erwartet, dass er meinen, in der Berliner Zeitung veröffentlichten Brief ignoriert. Aus seiner Perspektive macht unser Gespräch natürlich wenig Sinn: Warum sollte er daran mitarbeiten am eigenen Nachruhm zu kratzen? Aber, lieber Herr Peymann, falls Sie mitlesen: Theaterleute wissen es, andere auch: Ein Schweigen ist auch eine Aussage. Und zwar eine, die viel Raum für Interpretationen lässt… 

Sinn macht unser eh’ Gespräch nur, wenn es um die Sache geht. Darüber, was da schief gelaufen ist. Am Theater. In dieser offensichtlich hochsensiblen Kommunikation zwischen Schauspieler:innen und Regie/Intendanz. Wir müssen herausfinden, warum da so ein großes Missverständnis entstehen konnte, dass am Ende eine Seite von Liebe spricht und die andere von Ohnmacht und Gewalt. 

Und das Gute ist: Mit “wir” meine ich uns! Alle die hier mitlesen. Oder die mir geschrieben haben. (Ich habe drei Tage lang hauptsächlich Mails beantwortet, sogar Briefe bekommen!) Und ich danke Euch. Allen. Für die große Solidarität. 

Eines, denke ich, ist klar: Wir alle lieben diesen Ort. Theater. Meine Kolumne verzeichnet mehr als 20.000 Besucher seit ich meinen Brief online gestellt habe. Das entspricht 25 ausverkauften Vorstellungen in einem deutschen Schauspielhaus. Mindestens! 

Ich freu’ mich sehr! 

Weil sich ganz deutlich zeigt: Meine Energie hat sich längst zu einer kollektiven gemorpht. Ständ ich alleine da, wäre es nur ein Brief, den eine wütende Schauspielerin (viel zu spät) an ihren selbstherrlichen Chef geschrieben hat. So aber haben wir gemeinsam zum Ausdruck gebracht: Nö. So wollen wir nicht Theater spielen. So wollen wir nicht arbeiten! Egal, in welchem Beruf! Weder eine Krankenschwester, noch ein Bäckereifachverkäufer, keine wissenschaftliche Mitarbeiterin, niemand will das gerne. Und stellt euch vor, auch solche Berufsgruppen haben sich bei mir gemeldet. Und von vergleichbaren Erfahrungen berichtet. Ich finde das ziemlich krass. 

Was ist da los?! 

Das wir Theaterleute jetzt, statt AUF der Bühne, IM LICHT durch unsere Darstellung auf schiefe Verhältnisse aufmerksam zu machen, den Fokus auf die Verhältnisse HINTER DEN KULISSEN ziehen, ist verrückt. (Im absoluten Sinn des Wortes.) 

Ein passenderes Bild dafür, was da falsch läuft, wäre mir jetzt auch nicht eingefallen. Weil sich natürlich (mal wieder, nur diesmal anders) zeigt, dass wir Darsteller:innen einen Auftrag haben: Wir stellen die Verhältnisse nach und machen, mit dieser künstlichen Verabredung, unseren Mitmenschen ein Angebot zur Reflektion. Nun hat uns diese Aufgabe sozusagen von hinten eingeholt. 

Was sie uns damit wohl sagen will? 

Ich höre: 

1. Hier läuft was falsch. 

2. Das müssen wir ändern und ich glaube:

3. wir müssen reden!

Und dabei ist es letztendlich ganz egal, ob Peymann und ich in den Ring treten, oder ob das Gespräch ganz woanders geführt wird. Wichtig ist, dass wir die Ergebnisse solcher Gespräche (oder die Gespräche selber) miteinander teilen. Nicht, um mit dem Finger auf “Täter” zu zeigen.

Lassen wir doch Peymann einfach aus dem Spiel!

Wir reden über systemischen Machtmissbrauch. Das Problem ist das System. In dem jede:r von uns, (s)eine Rolle spielt. Lasst uns über Rollen reden! Darüber, welche wir hier spielen. Und welche Rolle wir anderen zugestanden haben. 

Denn das ist der wahre Schlüssel hier. (Glaube ich fest daran!) Wir müssen das Fach wechseln. Acting ist Reacting! Wer sollte das besser wissen, als eben wir ?!

Und weil ich das jetzt irgendwie losgetreten habe, diesen offensichtlich fälligen Diskurs, lade ich euch ein:

Am kommenden Sonntagnachmittag,17:00 Uhr (Theater- und filmschaffenden freundliche Zeit) gehe ich auf Instagram online. Ich moderiere das Feedback auf meinen Brief, stelle ein paar andere Perspektiven vor und sammle, vor allem, Eure Ideen!

Ihr seid herzlich eingeladen, teilzunehmen. Ich sammle eure Geschichten und Ideen! Bitte schreibt mir bei FB, insta oder per pm. Und kommentiert am Sonntag fleißig mit!

Ich bin total gespannt!

Inzwischen schlage ich euch vor, dass ihr meine Kolumne abonniert. Dann kriegt ihr alle meine Texte hier per Mail. Und bleibt automatisch dran. (Datenschutz usw. versteht sich von selbst. :-)

Ich freue mich auf euch!

Eure Mareile

Zurück
Zurück

Falscher Klaus!

Weiter
Weiter

Herr Peymann, nehmen Sie das zurück! Eine Intendantenbeschimpfung