Ljudi.

Keine Angst, liebe Leserinnen und Leser. Hier wird es, auch in Zukunft, um nichts anderes als kleine, persönliche Mareile-Geschichten gehen. Natürlich stellt sich, angesichts der jüngsten, gruseligen Entwicklungen die Frage wie man weitermachen soll. Ist es nicht völlig irrelevant, ja geradezu geschmacklos, jetzt banale Geschichten zu teilen? Ihr kennt mich und werdet meine Antwort ahnen:

Es gehört zum Besten, was man jetzt machen kann!

Weil es unsere Geschichten sind, die uns dabei helfen, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was wir, ganz persönlich, für eine Rolle spielen. Denn wir spielen immer eine. Da brauchen wir uns mal mix vorzumachen. Ich natürlich auch! (Klingt immer gleich so mahnend und belehrend, wenn man so was schreibt. Sorry. Ich meine immer am allermeisten mich. Nicht, weil ich egozentrisch bin. (Bin ich!) Sondern weil man sich am besten zuallererst an die “eigene Nase fasst”. Wenn man etwas ändern will. Im Folgenden teile ich also heute hier meine Gedanken über die Ljudi. Die Leute. Uns.

“Ein Wochenende. Immerhin. So lange hat es gedauert, das Einigkeit herrschte. Gegen diesen widerlichen Krieg. Vor unserer Haustüre. Dass die Leute, "Ljudi", wie es russich heißt, und wie der Ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sie in seiner sagenhaften Fernsehansprache an eben dieses Volk, das Russische, adressiert: "Ljudi" sind aufgestanden und auf die Strasse gegangen. Sogar in Rußland. Alle wollten ein Zeichen zu setzen: "Wir sind gegen diesen Wahnsinn. Wir verurteilen diesen Krieg."

Heute, Aschermittwochs, tritt schon wieder jede:r gegen jede:n an:

Pazifisten gegen Waffenlieferungsbefürworter, Russenversteher gegen Russenhasser, eine Bewegung, die bekannt gibt, in Zukunft gar nichts mehr zu posten, nur bei twitter. Oder instagram. Haha. Erste Verschwörungstheorien werden laut, Politiker verunglimpft, na klar, alle wissen alles besser und jede abweichende Meinung triggert sie. Ljudi. Bald werden die Algorithmen uns fein säuberlich in Lager trennen, es werden sich Feindbilder heraus schälen und wir werden das, worum es wirklich geht, aus den Augen verlieren. UM UNS! Die wir etwas tun können! Vielleicht nicht direkt polititsch. Leider Gottes nicht. Aber wir können uns bewusst werden. Das wir eine Rolle spielen. Und wir haben Glück:

Noch entscheiden wir selbst, was das für eine Rolle ist.

Sobald wir hier, im Morast, waten erst recht. Denn es sind mächtige Algorithmen, die uns hier auf den Fersen sind. Ob wir wollen, oder nicht. Auch wenn wir glauben, dass wir es durchschauen. Und sie haben was mit uns vor. Sie wollen an unser Geld. Wir werden hier immer zu Käufern degradiert. Manipuliert. Um zu kaufen. Aber das Ding dreht frei. Ich bin eigentlich sicher: Das hat nicht mal jemand vorsätzlich programmiert. Musste er gar nicht! Denn das ist immanent. In uns. Wie schon bei Corona deutlich wurde, werden wir hier gegeneinander aufgehetzt. Plötzlich gibt es "richtig" und "falsch". Und jede Menge Fachleute. Wir könnten es besser wissen, wir haben gerade eine Krise durch, aber es scheint von vorne los zu gehen.

Meinungskrieg schwächt die Allianz, liebe Ljudi! Ich plädiere für Austausch. Mitteilung.

Lasst uns unsere Ängste und Sorgen teilen. Unsere Erfahrungen. Lasst uns persönlich bleiben (Nicht privat. Das Private geht niemanden etwas an.).

Denn es ist etwas anders, diesesmal. Wir sind längst mittendrin.

Durch die sozialen Netzwerke. Es sind Facebookfreunde involviert. Es ist vielleicht die Istagramerin mit dem besonders ansprechendem Profil, deren Postings ich gerne gelesen habe, dir morgen brutal ermordet wird. Von Putins Schergen. Wir können alles live mitverfolgen. Jede Gewalttat kann geteilt werden. Im Balkankrieg, dem letzten, großen europäischen Gemetzel, hat man sich durch Zeitunglesen informiert. In der Tagesschau. Die dauerte zehn Minuten, dann hat man einen Spielfilm angesehen. Oder ausgemacht.

Das war sicher besser für unsere Psyche.

Heute hängen wir mit drin. In der Verantwortung. Diese ganzen Demos z. B. die haben sich online generiert. Hier entstehen Hypes. Demonstrieren zu gehen war ein guter Hype und vielleicht wären die Demos auch so zustande gekommen, wahrscheinlich, sicherlich, aber zu den Demos kommen die Bilder von den Demos, millionenfach geteilt. Und das hat sicher etwas bewirkt. (Wenn man auch nicht genau sagen kann, was eigentlich?) Wir werden hier vielleicht verarscht, aber wir haben hier auch eine neue, rohe, völlig ungelenkte Macht: Ljodi. Das ist wirklich irre. Und nimand weiss, wo es hinführen wird. Meine Utopie: Ljudi verbünden sich. Russen, Ukrainer, Deutsche, Europäer. Sie schliessen sich hier, online zusammen, bündeln ihre Kraft und lehnen sich gegen diese Scheiße auf. Gegen einen irren Mann, der territotiale Großmachtbestrebungen mit Leid, Tod und Folter durchsetzen will. Gegen korrupte Politiker, die ihm das, aus wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen durchgehen ließen. Gegen uns, die wir zeimlich bequem unseren unendlichen Reichtum geneissen, ohne jeh zu fragen, wie das eigentlich ganz genau möglich ist, dass es uns dermaßen gut geht, hier.

Reden wir darüber. Das wäre effektiv. Und mutig.

Hört sich vielleicht naiv an, aber ich schwöre euch: Es macht einen Unterschied! Ich weiss natürlich, dass auch ich, spätestens mit diesem Posting mit bei denen einreihe, die hier gute Ratschlähge verteilen. Irre, oder? Das das hier einfach immer so funktioniert. Sorry also, liebe Freunde, für mein Plädoyer. Eigentlich meine ich nicht euch. Ich meine mich. Und all jene, die dem System hier auf den Leim gehen. Die Ljudi. Genisset die Sonne. Heute ist schon Donnerstag. Noch ein Kriegstag mehr. Carpe Diem. Yo'll never know.






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Sind wir nicht alle ein bisschen Amber?!

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